Historische transparente Oberflächenüberzüge

Kleiderschrank nach der Reinigung der rechten Tür. Der wohl originale transparente Überzug überzeugt durch seine Farbigkeit und Transparenz.
Gesamtansicht der Front nach der Reinigung des Überzugs und der Schließung von Fehlstellen.
Auch an diesem sogenannten Blender um 1830, konnte der originale transparente Oberflächenüberzug erhalten bleiben. Mit dem oberen Möbel Raritäten im Bereich historischer Möbel.
Bearbeitete Kommode des Klassizimus (Privatbesitz) mit einem Ergänzungsüberzug auf Basis eines Spirituslackes nach Rezepten des 18. Jahrhunderts. Es ist auf einem Foto nur schlecht darzustellen, aber der transparente Überzug unterscheidet sich bei näherer Betrachtung deutlich in der Materialwirkung zum Schellacküberzug.

Oberflächenrestaurieung

Das restauratorische Arbeitsgebiet Ergänzung transparenter Oberflächenüberzüge auf historischen Möbeln, ist nach meiner Meinung ein immer noch zu wenig diskutiertes Thema. Fakt ist, dass bestimmt 90% aller hochwertigen Möbel und Holzobjekte, von der Renaissance bis zum Biedermeier, im Laufe ihrer Geschichte mit neuen Oberflächenüberzügen versehen worden sind und dies oft sogar mehrmals. Grund hierfür waren meist Wechselwirkungen zwischen Licht, Luftfeuchtigkeit und Schmutz oder mechanische Beschädigungen, die die Flächen optisch herabsetzten. Dies führte meist dazu, dass die originalen Überzüge übereifrig entfernt und die Möbel mit Totalergänzung versehen wurden. Auf die Intention und Möglichkeiten der ausführenden Meister ihrer Zeit in Materialauswahl, Schichtstärke, Glanz oder Farbwirkung wurde und wird bei diesen Eingriffen meist keine Rücksicht genommen oder hinsichtlich der Authentizität hinterfragt. Es ist auch immer noch mit Glück behaftet, wenn ein selbsternannter Restaurator die Oberflächenüberzüge in der Vergangenheit nicht abgeschliffen hat. Schleifpapier wurde meist dem Lösemittel vorgezogen und hierdurch teilweise irreparable Schäden an Furnierungen verursacht.

Interessant ist auch, dass die Schellackballenpolitur bei der Veredelung historischer Holzoberflächen einen so hohen Stellenwert einnimmt, dass selbst an hochwertigen Barockmöbeln seit Jahrzehnten und wie selbstverständlich dieses Material zum Einsatz kommt – nur entwickelte sich die Verwendung des Schellacks im Ballenverfahren erst um 1800, also mit der weiteren Entwicklung des Klassizismus zum so genannten Biedermeier. Vorher standen den Werkstätten Öllacke, Öl-Harzlacke und ab ca. Mitte des 18. Jahrhunderts Spirituslacke zur Verfügung, die als Schleiflacke verarbeitet wurden.

Natürlich müssen aus heutiger, restauratorischer Sicht vor der Verwendung eines Oberflächenüberzugs die Materialeigenschaften und Verarbeitung hinterfragt werden, doch sollte die Verwendung von Schellack nicht generell die Lösung und schon gar kein Qualitätsprädikat, bei der Ausführung von Restaurierungsarbeiten sein.

Bei einigen vorgestellten Restaurierungsbeispielen aus den jeweiligen Stilepochen, mussten meiner Meinung nach die Oberflächenüberzüge früherer Überarbeitungen abgenommen und ergänzt werden. Weniger wäre mir hier ab und zu lieber. Doch blutet einem das Herz, wenn die ausgewählten Holzmaserungen, durch stark verblichene oder nachträglich aufgebrachte dunkle oder zwischenzeitlich opak vergraute Überzüge, komplett ihre optischen Wirkungen einbüßen und die Meisterschaft der Holzverarbeitung darunter leidet. Schließlich sollte in den meisten Fällen  transparente Überzüge das Gegenteil bewirken. Handwerklicher Dilettantismus und Fehlentscheidungen bei der Materialauswahl früherer Überarbeitungen, die das Erscheinungsbild herabsetzen, sind für mich daher nicht erhaltenswert.

 

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